Reise 2016:

Sonntag, 28. 2. – Um 9 Uhr holt Harald und Heike Kunter der Wagen der AFAP mitsamt dem von Mensah organisiertem Dolmetscher Victor ab. Victor ist Student der Germanistik an der Universität von Abomey-Calavi. Er spricht ein lupenreines Deutsch. Kein Wunder, das er schon in diesem Jahr mit einem Stipendium in Deutschland weiterstudieren darf.

In Porto Novo ist die erste Station im Büro der AFAP. Das gesamte Team steht an diesem Sonntag für unsere Fragen bereit. Ein eigens für uns installierter Beamer hat Startschwierigkeiten, aber dann bekommen wir doch noch eine theoretische Einführung in die gesamte Organisation. Viel hatte uns die verstorbene Gründerin, Marie Adegnika, bereits 2012 im Stammhaus in Adjohoun erzählt, doch nun können wir etwas mehr in die Tiefe gehen.

Angelique Adegnika und Rosalie Kpanou


Tafel für gesunde Ernährungsbeispiele
Mit Spannung erwartet hatte ich aber die Produktionsstätten in Sakèté und endlich brachen wir dahin auf. Wir erkannten die Orte unseres letzten Besuches wieder und erinnerten uns an die barfüßigen (auch auf dem Moped), weiß gekleideten „Himmlischen Christen“ auf dem Weg zu oder von der Kirche.
Benin ist ein Land mit vielen verschiedenen Religionszugehörigkeiten: es ist die Wiege des Voodoo, einer am Ahnenkult orientierten Religion, etwa 27 % sind Christen, mehrheitlich Katholiken, rund 10%Protestanten, und etwa 5% andere: Tage-Adventisten, Methodisten, Baptisten, auch Zeugen Jehovas oder die Neuapostolische Kirche sind vertreten. Daneben gibt es etwa 25% Muslime und noch andere Glaubensrichtungen. Alle leben in friedlicher Koexistenz miteinander – viele Menschen gehören auch mehreren Kirchen an.  Im Voodoo sind fast alle noch verankert (offiziell 17% - wahrscheinlich 60-70%, auch wenn sie sich zu anderen Religionen bekennen).

Weiße Christen
barfuss mit Hut je nach Stand
in der Glaubensgemeinschaft

Die Hauptstraße nach Gamé
und zur nigerianischen Grenze
= Schmugglerwege

In Sakèté eine große Umleitung – die Regenwasserkanäle werden in der Hauptstraße erneuert.  Wir erfahren, dass der alte Präsident Boni Yagi einen Freund mit einem Straßenbauunternehmen hat. Das glauben wir sofort, denn im Straßenbau ist an den Hauptstraßen ein Riesenfortschritt zu sehen. Tüchtig durchgeschüttelt glaubten wir uns dem Ziel unserer heutigen Fahrt nahe – doch weit gefehlt. Eine gefühlte Ewigkeit fuhren wir auf einer sehr schmalen, sehr holperigen Straße mit wenigen Ausweichmöglichkeiten aber starkem Gegenverkehr fast ganz bis an die Grenze zu Nigeria, an der Seite ein mäandrierender, tiefer, vom Regenwasser ausgewaschener Graben.
Hatte ich in den Tagen zuvor auf Regen und damit auf klarere Luft gehofft, so beäugte ich doch die tief hängende Wolke über uns jetzt sehr argwöhnisch.  Ein Regenguss hätte uns in den Graben rutschen lassen und für Stunden festgesetzt.
Wir fahren durch riesige Palmölplantagen. Palmöl gehört zu den wichtigsten Fetten und wird schon seit Generationen von den Familien für den Eigenbedarf selbst hergestellt.

Erste Station: Fischteiche. Beim Füttern wimmelte und brodelte das sandige Wasser: die Welse sind groß geworden und verkaufsfertig. Leider ist eine eigene Anzucht nicht möglich. Aber schon bald können vom Erlös der Aufzucht kleine Fische nachgekauft werden. Auch die Tilapia sind groß geworden und sehr gesund.
Durch die Fischteiche sind zwei ständige Arbeitsplätze, die ständig anwesenden Fischwärter, geschaffen worden, dazu kommen saisonale Kräfte. Vom Erlös werden Waisenkinder ernährt, gekleidet und beschult.

Die Fischwärter nutzen den kleinsten Platz, um Gemüse zu ziehen und zusätzlich etwas zur gesünderen Ernährung zu erzielen und evtl. etwas verkaufen zu können.

Der Fischwart füttert die Welse

Die Wohnhütte des Fischwarts

Anzuchtbeet für Gemüse

Die Heuschrecke hätte auch gern etwas

Dazu tragen auch die Erlöse aus der Palmölproduktion und den sonstigen Felderträgen bei. Den von uns bezahlten Maschinen sieht man den starken Gebrauch an. Mit ihrer Hilfe werden größere Mengen Öl gewonnen, dass auch reiner ist als das bisher in harter körperlicher Arbeit gewonnene. Bis zur nächsten Ernte werden sie zurzeit gewartet. Keine Selbstverständlichkeit – oft rosten die Maschinen in der Feuchtigkeit einfach weg.  

Die Schweineställe warten auf das Ende der Quarantäne, dann soll ein neuer Versuch gestartet werden. Die Kaninchen sorgen schon jetzt für Fleisch und Nachwuchs.
Die ganze Anlage samt Haus für die betreuenden Familien ist sehr sauber und macht einen gepflegten Eindruck – in dieser Einöde am „Ende der beninischen Welt“.

Küche und Produktionsstätte

Unsere Maschinen werden häufig genutzt

Auf der Rückreise wartet in Porto Novo Marie Legba von der GABF auf uns. Zusammen nehmen wir ein sehr leckeres Essen in einem der besten Restaurants ein. Wieder einmal werden Gastgeschenke gewechselt. Mein europäisch geprägter Geschmack wird dabei arg strapaziert.
Victor kann gar nicht so schnell übersetzen, wie Fragen und Antworten von allen Seiten auf ihn einprasseln. Ich wundere mich, dass er so ruhig dabei bleibt und den Überblick behält. Um das zu erkennen, reichen meine spärlichen Französischkenntnisse gerade noch.

Heike Kunter, Rosalie Kpanou, Marie Legba

kein seltener Anblick
überfüllte LKWs kippen um

Noch ein Abstecher zum Grab von Marie Adegnika, die im Schlafzimmer ihres Hauses bestattet ist. Das Haus ist von einem Wächter mit Hund gut bewacht, denn es steht leer.
Die umgebende Stille ist im lauten Alltag eindrucksvoll und lässt unsere Gedanken eine Weile zu dieser viel zu früh nach einer Gallenoperation verstorbenen Frau mit dem großen Herz und der unermüdlichen Schaffenskraft zurückkehren. Wieder einmal bekommen wir den Unterschied der medizinischen Möglichkeiten zwischen Benin und Deutschland zu spüren.
Zwar gibt es in jedem größeren Ort ein Gesundheitszentrum, doch nicht überall sind Ärzte tätig oder ausreichend Medikamente vorhanden. Manchmal ist der Weg zum Heiler sicherer.

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