2009 - ein Bericht aus dem Kinderdorf von Fabian Kleina

Liebe Paten und Förderer,

mein Name ist Fabian Kleina. Ich habe im Zeitraum vom 3. Oktober 2005 bis 4. April 2006 ein 6 monatiges Praktikum im "Westphalian Children's Village, Oyoko" in Ghana absolviert. Damals berichtete ich gemeinsam mit Sarah Moosmann in Form einer Filmdokumentation und eines Booklets über das Leben im Kinderdorf. Dies ist nun schon fast drei Jahre her, so dass es Sarah und mich dieses Jahr wiederum für einen Monat nach Ghana zog. Davon verbrachten wir gut eineinhalb Wochen im Kinderdorf. Nach so einer langen Zeit stellte sich mir vor unserer Ankunft natürlich die Frage, ob sich die Kinder überhaupt noch an uns erinnerten. Bereits bei unserem Eintreffen am 2. März 2009 war jedoch klar, dass diese Sorge unbegründet war. Sofort kamen sämtliche Kinder aus allen Winkeln des Kinderdorfes angelaufen, um uns freudig zu begrüßen. In den folgenden Tagen hatte ich Gelegenheit, viel Zeit mit ihnen zu verbringen.

Am Tagesablauf der Kinder hat sich nicht viel geändert: Jeden Morgen stehen sie um ca. 6 Uhr auf, so dass sich das Kinderdorf bereits früh mit Leben füllt und es auch dementsprechend laut zugeht. Nach dem Aufstehen steht das morgendliche Bad mit Zähneputzen und Duschen an. Noch vor dem Frühstück müssen einige ihren Teil der Hausarbeiten erledigen. Morgens heißt dies die Fläche vor dem Haus fegen. Dann gibt es das Frühstück, in der Regel Porridge mit Weißbrot. Mit der Schuluniform bekleidet und ein wenig Taschengeld für den Tag geht es dann gegen halb acht in die Schule. Bevor der Unterricht beginnen kann, treffen sich alle Schüler zum Schulappell und die Nationalhymne wird gesungen. Nach dieser allmorgendlichen Zeremonie kann der Unterricht beginnen. Zu den Fächern der Kinder gehören Englisch und Französisch.

Sobald sie nach und nach im Kinderdorf eintrudeln, gibt es Mittagessen. Da es auf Ghanas Straßen sehr staubig zugeht, braucht die Schuluniform täglich eine gründliche Wäsche. Am Nachmittag verteilen sich die Kinder auf dem gesamten Gelände zum Spielen. Darüber hinaus wird von den Sozialarbeitern und Freiwilligen ein Freizeitprogramm und Hausaufgabenbetreuung in kleinen Gruppen angeboten. Gegen 18 Uhr - bei Einbruch der Dunkelheit - kommen die Kinder wieder zu ihren Häusern zurück, denn nun gibt es Abendbrot. In wechselnden Gruppen treffen sich einige Kinder ab 19 Uhr zur Büchereistunde. Meist klingt der Abend mit Fernsehen in den Wohnzimmern der einzelnen Häuser aus. Auf dem Gelände des Kinderdorfes wird es merklich ruhiger. Je nach Alter gehen die ersten Kindern gegen 21 Uhr zu Bett.

Obwohl die Amtssprache in Ghana Englisch ist, unterhalten sich Ghanaer untereinander hauptsächlich in der jeweiligen Stammessprache. Im Kinderdorf ist dies TWI. Während meines Praktikums war es häufig schwierig, sich mit den Jüngsten zu unterhalten, da sie wenig Englisch sprachen. Umso schöner war es nun, zu sehen, wie groß der Fortschritt in der sprachlichen Entwicklung bei allen war. Dies kann man wohl dem Engagement der zwei neuen Sozialarbeiter zugutehalten. Im Jahr 2006 kümmerten sich neben den Hauseltern lediglich die Praktikanten um die Hausaufgabenbetreuung und Förderung einzelner Kinder. Heute sieht es so aus, dass jedes Kind individuelle Förderung und Betreuung erhält. Nachmittags und abends treffen sich die Kinder in kleinen Gruppen in der Bücherei und erledigen unter Aufsicht ihre Hausaufgaben. Darüber hinaus wird das Lesen, Schreiben und Rechnen geübt. Besonders die erst kürzlich eingestellte Sozialarbeiterin Cynthia ist bei den Kindern sehr beliebt. Bei ihr sieht man deutlich, dass sie Spaß an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat. Sie kümmert und sorgst sich um jeden im Dorf gleichermaßen. So kann es zum Beispiel auch sein, dass man sie sogar spät am Abend in den Familien antrifft.

Sehr gefreut hat mich, dass mit Mavis Abankwah eine weitere Jugendliche den Schritt in ein eigenständiges Leben geschafft hat. Nach ihrer Ausbildung als Friseurin in Effiduase ist sie aus dem Haus Bünde ausgezogen und lebt nun in einem Appartement in Ejisu. Dort hat sie einen Arbeitsplatz gefunden und besucht aber auch noch regelmäßig ihre Kinderdorffamilie. Wie sie mir bei ihrem Besuch berichtete, ist sie mit ihrer momentanen Situation sehr zufrieden. Alles scheint gut für sie zu laufen.

Die "Westphalian Vocational/Technical & Senior High School", die in Zukunft weiter ausgebaut wird, bietet auch den Kindern aus dem Kinderdorf eine sehr gute Möglichkeit, ihre Bildungschancen wahrzunehmen. Jeder Absolvent erhält die Berechtigung, an einer Universität zu studieren. Der Abschluss ist also unserem Abitur vergleichbar. Zurzeit wird sie von ca. 300 Schülerinnen und Schülern besucht. Von diesen leben 120 im Internat. Es handelt sich dabei um 20 Jungen, die einen Raum unterhalb der Kirche bewohnen und um 100 Mädchen, die in großen Schlafsälen auf dem obersten Flur der Schule untergebracht sind. Sämtliche Schüler werden in der schuleigenen Kantine von zwei Köchinnen bewirtet, so dass auch für das leibliche Wohl gesorgt ist. Der Unterricht wird von 12 Lehrer durchgeführt. Im nächsten Schuljahr sollen 23 Lehrerinnen und Lehrer an der Schule unterrichten. Im Vergleich zum Jahr 2006 hat sich das Bildungs- und Kursangebot somit um ein Vielfaches erweitert.

Anhand meiner Ausführungen können Sie - so denke ich - sehen, dass sich einiges im Kinderdorf tut und die Entwicklung durchweg positiv ist.

Genauso wie das Kinderdorf, so ist auch das Land Ghana auf einem guten Weg. In den letzten drei Jahren sind zahlreiche Straßen und das Verkehrsnetz modernisiert worden. Überall entstehen neue Häuser und die Städte - wie Kumasi - wachsen rasch. Das Gesundheitssystem hat durch die Einführung einer günstigen Krankenversicherung einen wichtigen Schritt zur medizinischen Grundversorgung der gesamten Bevölkerung gemacht.

Also lasst uns weiterhin die Daumen drücken, dass es auch in Zukunft über das Kinderdorf so viel Positives berichtet werden kann.

Mit freundlichem Gruß

Fabian Kleina

         

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